HIOB 

Das Buch Hiob ( Ijob , Job ) gehört zur biblischen Weisheitsliteratur . Eine jüdische Tradition schreibt die Verfasserschaft Mose zu , doch der Text selbst liefert keinerlei Hinweise auf den Verfasser oder die Entstehungszeit . Es behandelt die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Leid und Schuld und befasst sich insbesondere mit der Frage nach dem Leiden des Gerechten . Konkret geht es um die Frage , warum ein Gott das Leiden zulässt , wenn er doch die Allmacht und Barmherzigkeit besitzt ( besitzen müsste ) , das Leiden zu verhindern .  Die Geschichte beginnt – nach einem Vorspiel im Himmel – damit , dass unmittelbar nacheinander vier Boten bei Hiob , einem untadligen Gerechten Gottes , der keinerlei Übertretungen vor Gott unterlag eintreffen , die ihm berichten , dass er durch Kriegs- und Naturkatastrophen seine Viehherden , seine Knechte und schließlich seine Söhne und Töchter verloren hat ( 1,13–19 ) . ___ Gott , ___der Satan erlaubte dies alles mit Hiob zu tun , prüfte Hiobs Treue also auf heftigste Weise ___ mit schwerem Leiden ( u.a. Demütigung und Herabwürdigung in der Gemeinde , Familie ... ) , durch Verlust seines Wohlstandes , in der Sorge um die Gottesfurcht seiner Kinder ( *er hat stets für Fehler seiner Kinder , um die er evtl. nicht wissen konnte , mitgebetet und Opfer dargebracht ) , und mit elendiger Krankheit , als auch durch die Gläubigen Boten , seine Freunde und Gefährten ; die ihn durch Gott rechtleiten und zur Besinnung bringen wollen , durch eingestehen seiner Schuld . Hiob weiss und bestätigt immer wieder die Redeweise der Gläubigen , in Gott , zeigt neue Frageansätze auf und bezeugt und beharrt dennoch weiter auf seiner Unschuld , vor Gott . 

Hiobs Rechtschaffenheit 

1

Es war ein Mann im Land Uz , der hieß Hiob ; der war ein untadeliger und rechtschaffener Mann , der Gott fürchtete und das Böse mied . ||| 2 Und ihm wurden sieben Söhne und drei Töchter geboren , ||| 3 und an Herzen besaß er 7 000 Schafe , 3 000 Kamele , 500 Joch Rinder und 500 Eselinnen ; und seine Dienerschaft war sehr groß , sodass der Mann größer war als alle Söhne des Ostens . ||| 4 Seine Söhne aber pflegten einander zu besuchen und ein festliches Mahl zu bereiten , jeder in seinem Haus und an seinem Tag ; und sie sandten hin und luden auch ihre drei Schwestern ein , um mit ihnen zu essen und zu trinken . ||| 5 Wenn dann die Tage des Festmahls zu Ende waren , ließ Hiob sie holen und heiligte sie ; er stand früh am Morgen auf und brachte Brandopfer dar für jeden von ihnen ; denn Hiob sagte sich : Vielleicht könnten meine Kinder gesündigt und sich in ihrem Herzen von Gott losgesagt haben ! So machte es Hiob allezeit . |||

Hiob wird von Satan angeklagt . Gott lässt zu , dass er geprüft wird 

6 Es geschah aber eines Tages , dass die Söhne Gottes vor den HERRN traten , und unter ihnen kam auch der Satan . ||| 7 Da sprach der HERR zum Satan : Wo kommst du her ? Und der Satan antwortete dem HERRN und sprach : Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln darauf ! ||| 8 Da sprach der HERR zum Satan : Hast du meinen Knecht Hiob beachtet ? Denn seinesgleichen gibt es nicht auf Erden , einen so untadeligen und rechtschaffenen Mann , der Gott fürchtet und das Böse meidet ! ||| 9 Der Satan aber antwortete dem HERRN und sprach : Ist Hiob umsonst gottesfürchtig ? ||| 10 Hast du nicht ihn und sein Haus und alles , was er hat , ringsum eingehegt ? Das Werk seiner Hände hast du gesegnet , und seine Herden breiten sich im Land aus . ||| 11 Aber strecke doch einmal deine Hand aus und taste alles an , was er hat ; lass sehen , ob er dir dann nicht ins Angesicht absagen wird ! ||| 12 Da sprach der HERR zum Satan : Siehe , alles , was er hat , soll in deiner Hand sein ; nur nach ihm selbst strecke deine Hand nicht aus ! Und der Satan ging vom Angesicht des HERRN hinweg . |||

Hiob verliert seine Güter und seine Familie 

13 Und es geschah eines Tages , als seine Söhne und Töchter im Haus ihres erstgeborenen Bruders aßen und Wein tranken , ||| 14 da kam ein Bote zu Hiob und sprach : Die Rinder pflügten und die Eselinnen weideten neben ihnen ; ||| 15 da fielen die Sabäer ein und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwertes ; ich aber bin entkommen , nur ich allein , um es dir zu berichten ! ||| 16 Während dieser noch redete , kam ein anderer und sagte : Feuer Gottes fiel vom Himmel und hat die Schafe und die Knechte verbrannt und verzehrt ; ich aber bin entkommen , nur ich allein , um es dir zu berichten ! ||| 17 Während dieser noch redete , kam ein anderer und sagte : Die Chaldäer haben drei Banden aufgestellt und sind über die Kamele hergefallen und haben sie weggenommen und haben die Knechte mit Schärfe des Schwertes erschlagen ; ich aber bin entkommen , nur ich allein , um es dir zu berichten ! ||| 18 Während dieser noch redete , kam ein anderer und sagte : Deine Söhne und Töchter aßen und tranken Wein im Haus ihres erstgeborenen Bruders ; ||| 19 und siehe , da kam ein heftiger Wind drüben von der Wüste her und erfasste die vier Ecken des Hauses , sodass es auf die jungen Leute stürzte und sie starben ; ich aber bin entkommen , nur ich allein , um es dir zu berichten ! |||

 20 Da stand Hiob auf und zerriss sein Gewand und schor sein Haupt ; und er warf sich auf die Erde nieder und betete an . ||| 21 Und er sprach : Nackt bin ich aus dem Leib meiner Mutter gekommen ; nackt werde ich wieder dahingehen . Der HERR hat gegeben , der HERR hat genommen ; der Name des HERRN sei gelobt ! ||| 

22 Bei alledem sündigte Hiob nicht und verhielt sich nicht ungebührlich gegen Gott . |||

( * ein Bild zum Vergleich - Hiob der Anserskij Insel

Hiob wird durch schwere Krankheit geprüft 

2

Es geschah aber eines Tages , dass die Söhne Gottes vor den HERRN traten , und unter ihnen kam auch der Satan , um sich vor den HERRN zu stellen . ||| 2 Da sprach der HERR zum Satan : Wo kommst du her ? Und der Satan antwortete dem HERRN und sprach : Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln darauf ! ||| 3 Da sprach der HERR zum Satan : Hast du meinen Knecht Hiob beachtet ? Denn seinesgleichen gibt es nicht auf Erden , einen so untadeligen und rechtschaffenen Mann , der Gott fürchtet und das Böse meidet ; und er hält immer noch fest an seiner Tadellosigkeit , obwohl du mich gereizt hast , ihn ohne Ursache zu verderben ! ||| 4 Der Satan aber antwortete dem HERRN und sprach : Haut für Haut ! Ja , alles , was der Mensch hat , gibt er hin für sein Leben ; ||| 5 aber strecke doch deine Hand aus und taste sein Gebein und sein Fleisch an , so wird er dir sicher ins Angesicht absagen ! ||| 6 Da sprach der HERR zum Satan : Siehe , er ist in deiner Hand ; nur schone sein Leben ! ||| 7 Da ging der Satan vom Angesicht des HERRN hinweg ; und er plagte Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle bis zum Scheitel , ||| 8 sodass Hiob eine Scherbe nahm , um sich damit zu kratzen , während er mitten in der Asche saß . ||| 9 Da sprach seine Frau zu ihm : Hältst du immer noch fest an deiner Tadellosigkeit ? Sage dich los von Gott und stirb ! ||| 10 Er aber sprach zu ihr : Du redest so , wie eine törichte Frau redet ! Wenn wir das Gute von Gott annehmen , sollten wir da das Böse nicht auch annehmen ? ___ Bei alledem versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen . |||

Besuch der drei Freunde Hiobs 

11 Als aber die drei Freunde Hiobs von all diesem Unglück hörten , das über ihn gekommen war , kamen sie , jeder von seinem Ort , nämlich Eliphas , der Temaniter , und Bildad , der Schuchiter , und Zophar , der Naamatiter ; diese verabredeten sich , miteinander hinzugehen , um ihm ihr Beileid zu bezeugen und ihn zu trösten . ||| 12 Und als sie von ferne ihre Augen erhoben , erkannten sie ihn nicht mehr . Da erhoben sie ihre Stimme und weinten ; und jeder zerriss sein Gewand , und sie warfen Staub über ihre Häupter zum Himmel . ||| 13 Dann setzten sie sich zu ihm auf den Erdboden sieben Tage und sieben Nächte lang , und keiner redete ein Wort mit ihm ; denn sie sahen , dass sein Schmerz sehr groß war . |||

Hiob  verflucht den Tag seiner Geburt 

3

Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte den Tag seiner Geburt . ||| 2 Und Hiob begann und sprach : ||| 3 O wäre doch der Tag ausgelöscht , da ich geboren wurde , und die Nacht , die sprach : Ein Knabe ist gezeugt ! ||| 4 Wäre doch dieser Tag Finsternis geblieben ; hätte doch Gott in der Höhe sich nicht um ihn gekümmert , und wäre doch niemals das Tageslicht über ihm aufgeleuchtet ! ||| 5 Hätten doch Finsternis und Todesschatten ihn zurückgefordert , Gewölk sich auf ihm niedergelassen und diesen trüben Tag überfallen ! ||| 6 Und jene Nacht ___ hätte doch das Dunkel sie hinweggerafft , hätte doch kein Jubel sie erreicht ! ||| 8 Hätten sich doch die Sterne ihrer ( Morgen ) dämmerung verfinstert , hätte sie doch auf Licht gehofft , ohne dass es erschienen wäre ; hätte sie doch die Strahlen der Morgenröte nicht geschaut ! ||| 10 Doch sie verschloss mir nicht die Pforte des Mutterleibes und verbarg nicht den Jammer vor meinen Augen . ||| 11 Warum starb ich nicht gleich bei der Geburt , kam nicht um , sobald ich aus dem Mutterschoß hervorging ? ||| 12 Warum kamen mir Knie entgegen , und wozu Brüste , dass ich daran trank ? ||| 13 Denn jetzt läge ich da und wäre still ; ich wäre entschlafen und hätte nun Ruhe , ||| 14 ( zusammen ) mit Königen und Ratgebern der Erde , die sich längst verfallene Paläste erbauten , ||| 15 oder mit Fürsten , reich an Gold , die in ihren Häusern Silber häuften . ||| 16 Oder wäre ich doch niemals da gewesen , wie eine verscharrte Fehlgeburt , den Kindern gleich , die nie das Licht erblickten ! ||| 17 Dort hört das Toben der Gottlosen auf , dort finden die Erschöpften Ruhe ; ||| 18 ( dort ) sind alle Gefangenen in Frieden , sie hören die Stimme des Treibers nicht mehr ; ||| 19 Kleine und Große sind dort gleich , und der Knecht ist frei von seinem Herrn ! ||| 20 Warum lässt Er den Mühseligen das Licht sehen und gibt Leben den Verbitterten , ||| 21 ( denen ) , die auf den Tod harren , und er kommt nicht , die nach ihm graben , mehr als nach verborgenen Schätzen ; ||| 22 die sich jubelnd freuen würden , die frohlockten , wenn sie ein Grab fänden , ||| 23 dem Mann , dem sein Weg verborgen ist , den Gott ringsum eingeschlossen hat ? ||| 24 Denn statt zu essen , seufze ich , und mein Gestöhn ergießt sich wie Wasser . ||| 25 Denn das Schreckliche , das ich befürchtet habe , ist über mich gekommen , und wovor mir graute , das hat mich getroffen . ||| 26 Ich konnte nicht ruhen und nicht rasten , und kaum hatte ich mich erholt , so kam ein ( neuer ) Sturm über mich ! |||

Die erste Rede des Eliphas 

4

Da ergriff Eliphas , der Temaniter , das Wort und sprach : ||| 2 Wenn man ein Wort an dich richtet , wird es dich verärgern ? Aber Worte zurückhalten , wer könnte das ? ||| 3 Siehe , du hast viele unterwiesen und hast müde Hände gestärkt . ||| 4 Deine Worte haben den Strauchelnden aufgerichtet , und wankende Knie hast du gekräftigt . ||| 5 Nun aber , da es an dich kommt , bist du verzagt ; weil es dich trifft , bist du bestützt ! ||| 6 Ist nicht deine Gottesfurcht deine Zuversicht , und die Tadellosigkeit deines Weges deine Hoffnung ? ||| 7 Bedenke doch : Ist je ein Unschuldiger umgekommen , und wo wurden Rechtschaffene vertilgt ? ||| 8 Soviel ich gesehen habe : Die Unrecht pflügen und die Unheil säen , die ernten es auch . ||| 9 Durch Gottes Odem kommen sie um ; durch den Hauch seines Zornes werden sie verzehrt . ||| 10 Das Brüllen des Löwen und die Stimme des Junglöwen ( verstummt ) , und die Zähne der jungen Löwen werden ausgebrochen . ||| 11 Der Löwe kommt um , aus Mangel an Beute , und die Jungen der Löwin zerstreuen sich . ||| 12 Zu mir aber kam heimlich ein Wort , mein Ohr vernahm ein leises Flüstern ; ||| 13 in Schreckgedanken , durch Nachtgesichte erregt , wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt , ||| 14 da kam Furcht und Zittern über mich und durchschauerte alle meine Gebeine ; ||| 15 denn ein Geist ging an mir vorüber ; die Haare meines Leibes standen mir zu Berge . ||| 16 Er trat vor mich hin , und ich konnte sein Aussehen nicht erkennen ; eine Gestalt war vor meinen Augen , ich hörte eine flüsternde Stimme : ||| 17 Kann wohl ein Sterblicher gerecht sein vor Gott , oder ein Mann rein vor seinem Schöpfer ? ||| 18 Siehe , seinen Dienern traut er nicht , seinen Engeln wirft er Irrtum vor ; ||| 19 wie viel mehr denen , die in Lehmhütten wohnen , die auf Staub gegründet sind , die wie Motten zerstört werden ! ||| 20 Zwischen Morgen und Abend gehen sie zugrunde ; ehe man sich´s versieht , sind sie für immer dahin . ||| 21 Wird nicht ihr Zeltstrick abgerissen ? Sie sterben , ohne Weisheit erlangt zu haben . |||

Eliphas ermahnt Hiob , die Züchtigung anzunehmen 

5

Rufe doch ! Ist einer da , der dir antwortet ? Und an welchen von den Heiligen willst du dich wenden ? ||| 2 Denn den Narren bringt der Unmut um , und den Unverständigen tötet der Eifer . ||| 3 Ich selbst habe einen Narren gesehen , der Wurzel schlug , und sogleich verfluchte ich seine Wohnung . ||| 4 Seine Kinder fanden keine Hilfe , und sie wurden im Tor zertreten , ohne dass es einen Retter gab ; ||| 5 seine Ernte verzehrte der Hungrige und holte sie ihm selbst aus den Dornhecken heraus , und sein Vermögen schnappten die Habgierigen weg . ||| 6 Denn Unglück wächst nicht aus dem Staub hervor , und Unheil sprosst nicht aus der Erde ; ||| 7 sondern der Mensch ist zum Unglück geboren , wie die Funken nach oben fliegen . ||| 8 Ich jedoch würde Gott suchen und Gott meine Sache darlegen , ||| 9 der große , unerforschliche Dinge tut , Wunder , die nicht zu zählen sind : ||| 10 Er gießt Regen auf die Erde und sendet Wasser über die Fluren ; ||| 11 er erhöht den Niedrigen , und die Leidtragenden erlangen das Heil ; ||| 12 er vereitelt die Anschläge der Listigen , dass ihre Hand sie nicht ausführen kann ; ||| 13 er fängt die Weisen in ihrer List , und der Rat der Verschlagenen wird über den Haufen geworfen ; ||| 14 bei Tag stoßen sie auf Finsternis , und am Mittag tappen sie umher wie in der Nacht . ||| 15 Aber er rettet den Elenden vom Schwert , aus ihrem Rachen und aus der Hand des Starken , ||| 16 sodass der Geringe Hoffnung fasst und die Frechheit ihr Maul verschließt . ||| 17 Siehe , wohl dem Menschen , den Gott zurechtweist ! Darum verwirf die Züchtigung des Allmächtigen nicht ! ||| 18 Denn er verwundet und verbindet ; er zerschlägt , und seine Hand heilt . ||| 19 In sechs Bedrängnissen wird er dich erretten , und in sieben wird dich nichts Böses antasten : ||| 20 In Hungersnot wird er dich vom Tod erlösen und im Krieg von der Gewalt der Schwertes ; ||| 21 vor der Geißel der Zunge wirst du geboren sein und wirst die Verwüstung nicht fürchten , wenn sie kommt . ||| 22 Über Verwüstung und Dürre wirst du lachen und vor den wilden Tieren der Erde nicht erschrecken , ||| 23 denn mit den Steinen des Feldes stehst du im Bund , und das Wild des Feldes hält Frieden mit dir . ||| 24 Du wirst erfahren , dass dein Zelt sicher ist , und betrachtest du deine Wohnung , so fehlt dir nichts . ||| 25 Du wirst erfahren , dass dein Same zahlreich wird und deine Sprösslinge wie das Gras auf Erden . ||| 26 Du wirst in gutem Alter begraben werden , wie man Garben einbringt zu ihrer Zeit . ||| 27 Siehe , das haben wir erforscht , so ist es ; höre du darauf und merke es dir wohl ! |||

Hiobs Unmut und Schmerz 

6

Da antwortete Hiob und sprach : ||| 2 O dass man mein Unmut wiegen könnte und mein Unglück auf die andere Waagschale legte ! ||| 3 Denn nun ist es schwerer als der Sand der Meere ; darum sind meine Worte so ungestüm . ||| 4 Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir , mein Geist trinkt ihr Gift ; die Schrecken Gottes bestürmen mich . ||| 5 Schreit auch ein Wildesel auf der Grasweide , oder brüllt ein Stier , wenn er Futter hat ? ||| 6 Lässt sich etwa Fades ohne Salz essen ? Oder findet man am Eiweiß irgendeinen Geschmack ? ||| Was meine Seele zu berühren verschmähte , das ist jetzt mein tägliches Brot , mir zum Ekel ! ||| 8 O dass doch meine Bitte in Erfüllung ginge , und Gott mein Verlangen gewährte : ||| 9 das doch Gott sich entschlösse , mich zu zermalmen , seine Hand ausstreckte , um mich abzuschneiden ! ||| 10 So bliebe mir noch der Trost ___ und ich frohlockte darüber im schonunglosen Schmerz ___ , dass ich die Worte des Heiligen nicht verleugnet habe ! ||| 11 Wie groß ist denn meine Kraft , dass ich noch ausharren , und wann kommt mein Ende , dass meine Seele sich gedulden soll ? ||| 12 Ist mir denn die Kraft der Steine gegeben ? Ist mein Fleisch denn aus Erz ? ||| 13 Bin ich denn nicht hilflos und jeder Stütze beraubt ? |||

Hiob wehrt sich gegen die Zurechtweisungen seiner Freunde

14 Dem Verzagten gebührt Mitleid von seinem Freund , sonst wird er die Furcht des Allmächtigen verlassen . ||| 15 Meine Brüder haben sich trügerisch erwiesen wie ein Wildbach , wie das Bett der Wildbäche , die vergehen , ||| 16 die trübe werden vom Eis , wenn der Schnee sich darin birgt , ||| 17 die aber versiegen zur Zeit der Sommerhitze und von ihrem Ort verschwinden , wenn es heiß wird . ||| 18 Es winden sich die Pfade ihres Laufs ; sie ziehen hinauf in die Öde und verlieren sich , ||| 19 die Karawanen Temas halten Ausschau , die Reisegesellschaften von Saba hoffen auf sie . ||| 20 Aber sie werden in ihrer Hoffnung betrogen ; sie kommen dorthin und werden enttäuscht . ||| 21 So seid auch ihr jetzt ein Nichts geworden ; ihr seht Schreckliches und fürchtet euch davor ! ||| 22 Habe ich etwa gesagt : " Gebt mir etwas !" oder " Macht mir ein Geschenk von eurem Vermögen !" , ||| 23 oder " Rettet mich aus der Hand des Bedrängers und erlöst mich aus der Hand des Tyrannen !" ? ||| 24 Belehrt mich doch , und ich will schweigen , weist mir nach , worin ich geeirrt habe ! ||| 25 Wie eindringlich sind Worte der Wahrheit ! ||| Aber was bringen eure Zurechtweisungen schon zurecht ? ||| 26 Gedenkt ihr Worte zu bekritteln und haltet die Reden eines Verzweifelten für Wind ? ||| 27 Ja , ihr würdet selbst über eine Waise das Los werfen und euren Freund verschachern ! ||| 28 Und nun tut mir den Gefallen und schaut mich an ; ich werde euch doch wahrhaftig nicht ins Angesicht belügen ! ||| 29 Kehrt doch um , tut nicht Unrecht ! Ja , kehrt um ! Noch bin ich hier im Recht ! ||| 30 Ist denn Unrecht auf meiner Zunge , oder unterscheidet mein Gaumen nicht , was verderblich ist ? |||

Hiobs Leiden und Auflehnung

7

Hat der Mensch nicht harten Frondienst auf Erden ; sind seine Tage nicht wie die eines Tageslöhners ? ||| 2 Wie einem Knecht , der sich nach dem Schatten sehnt , und wie einem Tagelöhner , der auf seinen Lohn harrt , ||| 3 so wurden ( auch ) mir Monate voller Enttäuschung beschert und Nächte voller Qual zugeteilt . ||| 4 Wenn ich mich niederlege , so spreche ich : Wann werde ich aufstehen ? Aber der Abend zieht sich hin , und ich bin gesättigt mit Unrast bis zur Morgendämmerung . ||| 5 Mein Fleisch ist bekleidet mit Maden und Schorf ; meine Haut verkrustet und eitert . ||| 6 Meine Tage gleiten schneller dahin als ein Weberschiffchen ; sie entschwinden ohne Hoffnung . ||| 7 Bedenke doch , dass mein Leben ( nur ) ein Hauch ist , dass mein Auge nichts Gutes mehr sehen wird ! ||| 8 Das Auge dessen , der mich ( jetzt ) erblickt , wird mich nicht mehr sehen ; wenn deine Augen ( nach mir sehen ) , so bin ich nicht mehr ! ||| 9 Wie die Wolke vergeht und verschwindet , so kommt , wer ins Totenreich fährt , nicht mehr herauf ; ||| 10 er kehrt nicht mehr in sein Haus zurück , und seine Stätte kennt ihn nicht mehr . ||| 11 Darum will auch ich meinen Mund nicht zurückhalten ; ich will reden in der Bedrängnis meines Geistes , in der Verbitterung meiner Seele will ich klagen : ||| 12 Bin ich denn das Meer oder ein Ungeheuer , dass du eine Wache gegen mich aufstellst ? ||| 13 Wenn ich denke : Mein Bett wird mich trösten , mein Lager wird meine Klage erleichtern ! , ||| 14 so erschreckst du mich mit Träumen und ängstigst mich durch Gesichte , ||| 15 sodass meine Seele lieber ersticken möchte und ich lieber tot wäre , als ein Gerippe zu sein . ||| 16 Ich habe genug ! Ich will nicht ewig leben ; lass ab von mir ; meine Tage sind ( nur ) ein Hauch ! ||| 17 Was ist der Mensch , dass du ihn so hochhältst und dass du auf ihn achtest ? ||| 18 Du suchst ihn Morgen für Morgen heim ; alle Augenblicke prüfst du ihn . ||| 19 Warum schaust du immer noch nicht von mir weg und lässt mir nicht einmal so viel Ruhe , dass ich meinen Speichel herunterschlucken kann ? |||  20 Habe ich gesündigt ? Was tue ich dir an , du Menschenhüter ? Warum hast du mich zu deiner Zielscheibe gemacht , so dass ich mir selbst zur Last bin ? ||| 21 Warum vergibst du meine Übertretung nicht und erlässt mir nicht meine Schuld ? Denn jetzt muss ich mich in den Staub legen , und wenn du nach mir suchst , so bin ich nicht mehr ! |||

Die erste Rede des Bildad 

Da antwortete Bildad , der Schuchiter , und sprach : ||| 2 Wie lange willst du solche Reden führen , ( wie lange ) sollen die Worte deines Mundes wie heftiger Wind sein ? ||| 3 Beugt denn Gott das Recht , oder verkehrt der Allmächtige die Gerechtigkeit ? ||| 4 Wenn deine Kinder gegen ihn gesündigt haben , so hat er sie dahingegeben in die Gewalt der Missetat . ||| 5 Bist du es aber , so suche Gott ernstlich und flehe um Gnade zu dem Allmächtigen ! ||| 6 Wenn du lauter und aufrichtig bist , so wird er sich um deinetwillen aufmachen und dein gerechtes Heim wiederherstellen . ||| 7 Da wird dein früheres Glück im Vergleich zu deinem spätere klein sein ! ||| 8 Denn frage doch das frühere Geschlecht und beherzige das , was ihre Väter erforscht haben ! ||| 9 Denn von gestern sind wir und wissen nichts ; ein Schatten nur sind unsere Tage auf Erden . ||| 10 Sind sie es nicht , die dich belehren , es dir sagen und Sprüche hervorholen aus ihrem Herzen ? ||| 11 Schießt der Papyrus ohne Sumpf empor , oder gedeiht das Riedgras ohne Wasser ? ||| 

12 Noch steht es in vollem Trieb , ist nicht zum  Schneiden reif ___ da verdorrt es schon vor allem anderen Gras . ||| 13 Das ist der Weg all derer , die Gott vergessen ; ja , die Hoffnung des Ruchlosen geht zugrunde ! ||| 14 Seine Zuversicht wird abgeschnitten , und sein Vertrauen ist ein Spinngewebe . ||| 15 Er stürzt sich auf sein Haus , aber es hält nicht stand ; er hält sich daran fest , aber es bleibt nicht stehen . ||| 16 Er steht voll Saft im Sonnenschein , und seine Ranken überziehen seinen Garten ; ||| 17 über Steinhaufen schlingen sich seine Wurzeln , auf ein Haus von Steinen schaut er hin . ||| 18 Doch wenn man ihn von seiner Stätte wegreißt , so verleugnet sie ihn : " Ich habe dich nie gesehen !" ||| 19 Siehe , das ist die Freude seines Weges , und aus dem Staub werden andere wachsen . ||| 

20 Siehe , Gott verwirft den Unschuldigen nicht , und er reicht auch keinem Übeltäter die Hand ; ||| 21 während er deinen Mund mit Lachen füllen wird und deine Lippen mit Freudengeschrei , ||| 22 werden deine Hasser mit Schande bekleidet werden , und das Zelt der Gottlosen wird nicht mehr sein ! |||

Hiobs Antwort auf Bildad : Er anerkennt Gottes Allmacht 

9

Da antwortete Hiob und sprach : ||| 2 Wahrhaftig , ich weiß , dass es sich so verhält ; und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott ? ||| 3 Wenn er mit Ihm rechten wollte , so könnte er Ihm auf tausend nicht eins antworten . ||| 4 Er hat ein weises Herz und ist von ungebrochener Kraft ; wer hat ihm je getrotzt und ist heil davongekommen ? ||| 5 Er versetzt Berge , und man merkt es nicht ; er , der sie umkehrt in seinem Zorn . |||

 6 Er stört die Erde auf von ihrem Ort , sodass ihre Säulen erzittern . ||| 7 Er gebietet der Sonne , und sie geht nicht auf ; er verschließt die Sterne mit einem Siegel . ||| 8 Er allein spannt den Himmel aus und schreitet auf Meereswogen einher . ||| 9 Er machte den Großen Bären , den Orion und das Siebengestirn , samt den Kammern des Südens . ||| 10 Er tut große Dinge , die unerforschlich sind , und Wunderwerke ohne Zahl . ||| 11 Siehe , er geht an mir vorüber , und ich sehe ihn nicht ; er zieht vorbei , und ich bemerke ihn nicht . ||| 12 Siehe , wenn er dahinrafft , wer kann ihn hindern ? Wer kann ihm zurufen : Was machst du da ? ||| 13 Gott lässt von seinem Zorn nicht ab ; selbst Rahabs Helfer müssen sich unter ihn beugen . |||

  14 Wie viel weniger könnte ich ihm da antworten , und Worte finden , um mit ihm zu reden ? ||| 15 Auch wenn ich im Recht wäre , könnte ich ihm nichts erwidern , sondern müsste meinen Richter um Gnade anflehen . ||| 

16 Wenn ich rufe , wird er mir antworten ? Ich glaube nicht , dass er auf meine Stimme hört ; ||| 17 denn im Sturm zermalmt er mich und fügt mir ohne Ursache viele Wunden zu . ||| 18 Er lässt mich nicht einmal Atem holen , sondern sättigt mich mit bitteren Leiden . ||| 19 Kommt´s auf die Kraft des Starken an , siehe , er hat sie , und wenn aufs Recht , wer lädt mich vor ? ||| 20 Wenn ich mich auch rechtfertige , so wird mich doch mein Mund verurteilen , und bin ich auch untadelig , so wird er mich doch für verkehrt erklären . ||| 

Hiob bezichtigt Gott der Ungerechtigkeit 

21 Ich bin untadelig , dennoch kümmert mich meine Seele nicht ; ich verachte mein Leben . ||| 22 Darum sage ich : Es ist einerlei ; Untadelige und Gottlose bringt er gleicherweise um ! ||| 23 Wenn die Geißel plötzlich tötet , so lacht er über die Prüfung der Unschuldigen . ||| 24 Die Erde ist in die Gewalt des Frevlers gegeben ; das Angesicht ihrer Richter verhüllt Er ; wenn nicht Er , wer dann ? ||| 25 Und meine Tage sind schneller dahingeeilt als ein Läufer ; sie sind entflohen und haben nichts Gutes gesehen ; ||| 26 sie sind vorbeigezogen wie Rohrschiffe , wie ein Adler , der sich auf Beute stürzt . ||| 27 Wenn ich denke : " Ich will meine Klage vergessen , meine Miene ändern und heiter dreinschauen ! " , ||| 28 so muss ich meine vielen Schmerzen fürchten ; denn ich weiß , dass du mich nicht freisprechen wirst ! ||| 29 Soll ich denn schuldig sein , was mühe ich mich vergeblich ab ? ||| 30 Wenn ich mich auch mit Schnee waschen würde und meine Hände mit Lauge reinigte , ||| 31 so würdest du mich doch in die Grube tauchen , sodass sich meine eigenen Kleider vor mir ekelten ! ||| 32 Denn Er ist nicht ein Mann wie ich , dass ich Ihm antworten dürfte , dass wir miteinander vor Gericht gehen könnten ; ||| 33 es gibt auch keinen Mittler zwischen uns , der seine Hand auf uns beide legen könnte . ||| 34 Er nehme aber seine Rute von mir , und sein Schrecken ängstige mich nicht mehr , ||| 35 so wollte ich reden und keine Angst vor Ihm haben ___ aber so ist es bei mir nicht . |||

Hiob fühlt sich von Gott grundlos bedrängt 

10 

Meine Seele ekelt´s vor meinem Leben ; ich will mich meiner Klage überlassen , will reden in Betrübnis meiner Seele . ||| 2 ich spreche zu Gott : Verdamme mich nicht ! Lass mich wissen , weshalb du mich befehdest ! ||| 3 Gefällt es dir wohl , dass du bedrückst , dass du das Werk deiner Hände verwirfst , während du über den Rat der Gottlosen dein Licht leuchten lässt ? ||| 4 Hast du Fleischesaugen , oder siehst du , wie ein Mensch sieht ? ||| 5 Sind denn deine Tage wie Menschentage , deine Jahre den Jahres eines Mannes gleich , ||| 6 dass du nach meiner Schuld forschst und nach meiner Sünde fragst , ||| 7 obwohl du doch weißt , dass ich unschuldig bin , und mich niemand aus deiner Hand erretten kann ? ||| 8 Deine Hände haben mich als Ganzes gebildet und rundum gestaltet , und nun verschlingst du mich ? ||| 9 Gedenke doch , dass du mich wie Ton gebildet hast ; und nun willst du mich wieder in Staub verwandeln ! ||| 10 Hast du mich nicht wie Milch hingegossen und wie Käse mich gerinnen lassen , ||| 11 mit Haut und Fleisch bekleidet , mit Gebeinen und Sehnen mich durchwoben ? ||| 12 Leben und Gnade hast du mir gewährt , und deine Fürsorge bewahrte meinen Geist . ||| 

13 Doch dieses verbargst du in deinem Herzen ; ich weiß , dass es bei dir so beschlossen war : ||| 14 Wenn ich sündigte , so würdest du darauf achten und mich nicht freisprechen von meiner Missetat . ||| 15 Habe ich Böses getan , dann wehe mir ! Und bin ich im Recht , so darf ich mein Haupt doch nicht erheben ; ich bin ja gesättigt mit Schande und muss mein Elend ansehen ! ||| 16 Wagt ( mein Haupt ) es aber , sich zu erheben , so verfolgst du mich wie ein Löwe und handelst noch unbegreiflicher mit mir . ||| 17 Du stellst neue Zeugen gegen mich ; du bietest stets frische Scharen , ja ein Heer gegen mich auf ! ||| 

18 Warum hast du mich aus dem Mutterleib hervorgebracht ? Wäre ich doch dabei umgekommen , ohne dass mich ein Auge gesehen hätte ! ||| 19 So würde ich sein , als wäre ich niemals gewesen , vom Mutterleib weg ins Grab gelegt . ||| 20 Ist meine Lebenszeit nicht kurz genug ? Er höre doch auf , lasse ab von mir , dass ich mich ein wenig erhole , ||| 21 ehe ich dahinfahre auf Nimmerwiederkehren in das Land der Düsternis und des Todesschattens , wo keine Ordnung herrscht , wo das Licht , wie tiefe Finsternis ist ! |||


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