Die erste Rede des Zophar 

11

Da antwortete Zophar , der Naamatiter , und sprach : ||| 2 Soll die Menge der Worte unbeantwortet bleiben und der Schwätzer recht behalten ? ||| 3 Soll dein Geschwätz Männern den Mund stopfen , dass du spottest und niemand dich beschämt ? ||| 4 Und du hast gesagt : " Meine Lehre ist lauter , und ich bin vor deinen Augen rein !" ||| 5 O dass doch Gott reden möchte und seine Lippen auftäte gegen dich ! ||| 6 Und dass er dir doch die Geheimnisse der Weisheit verkündete ___ denn es gibt noch doppelt so viele wie du weißt ___ , so würdest du erkennen , dass Gott dir noch nachlässt von deiner Schuld ! ||| 7 Kannst du die Tiefe Gottes ergründen oder zur Vollkommenheit des Allmächtigen gelangen ? ||| 8 Sie ist himmelhoch ___ was willst du tun ? tiefer als das Totenreich ___ was kannst du wissen ? ||| 9 Ihre Ausdehnung ist größer als die Erde und breiter als das Meer . ||| 10 Wenn Er einherfährt , kann er verhaften und vor Gericht stellen ___ wer will es ihm wehren ? ||| 11 Denn er kennt die nichtswürdigen Leute und sieht auch die Schuld , ohne dass er ( darauf ) achthaben muss . ||| 12 Kann ein Hohlkopf Verstand gewinnen , und ein Eselhengst als Mensch geboren werden ? ||| 13 Wenn du nun dein Herz fest ausrichtest und zu ihm deine Hände ausstreckst ||| 14 ___ wenn Unrecht an deinen Händen ist , so entferne es , und lass in deinen Zelten nichts Böses wohnen ! ||| 15 Ja , dann darfst du ohne Scheu dein Angesicht erheben und fest auftreten ohne Furcht ; ||| 16 dann wirst du deine Mühsaal vergessen , wie man das Wasser vergisst , das vorübergeflossen ist . ||| 17 Heller als der Mittag wird dein Leben dir aufgehen ; das Dunkel wird wie der Morgen sein . ||| 18 Dann wirst du getrost sein , weil es Hoffnung gibt , und wirst um dich blicken und in Sicherheit dich niederlegen . ||| 19 Du legst dich zur Ruhe , und niemand schreckt dich auf , und viele werden dann dein Gunst suchen . ||| 20 Aber die Augen der Gottlosen verschmachten , ( ihre ) Zuflucht geht ihnen verloren , und ihre Hoffnung ist das Aushauchen der Seele ! |||

Hiobs Antwort auf Zophar

12 

Und Hiob antwortete und sprach : ||| 2 Wahrlich , ihr seid die ( rechten ) Leute , und mit euch wird die Weisheit sterben ! ||| 3 Auch ich habe Verstand wie ihr und stehe nicht hinter euch zurück ; wer wüsste denn diese Dinge nicht ? ||| 4 Ich bin wie einer , der zum Gespött für seine Freunde wird ; dabei rief ich ( einst ) zu Gott und wurde von ihm erhört ! Der untadelige Gerechte wird zum Gespött ! ||| 

5 " Dem Unglück gebührt Verachtung !" , so meint der Sichere ; ja , einen Stoß noch für die , deren Fuß wankt ! |||

 6 Die Zelte der Räuber haben Ruhe , und in Sicherheit leben die , welche Gott reizen , diejenigen , die Gott in ihrer Faust führen . ||| 7 Aber frage doch das Vieh , und es wird dich belehren , oder die Vögel des Himmels , und sie werden dir´s verkünden , ||| oder  rede mit der Erde , und sie wird dich unterweisen , und die Fische im Meer erzählen es dir . ||| 

9 Wer unter allen diesen wüsste nicht , dass die Hand des HERRN dies gemacht hat , |||

 10 dass in seiner Hand die Seele alles Lebendigen ist und der Geist jedes menschlichen Fleisches ? ||| 11 Prüft nicht das Ohr die Worte , wie der Gaumen die Speise schmeckt ? ||| 12 Wohnt bei den Geisen die Weisheit und bei den Betagten der Verstand ? |||

Hiob bezeugt die Macht Gottes

13 Bei Ihm ist Weisheit und Stärke , Sein ist Rat und Verstand ! ||| 14 Siehe , wenn Er niederreißt , wird nicht wieder aufgebaut ; wenn er über dem Menschen zuschließt , wird nicht wieder geöffnet . ||| 15 Siehe , wenn er die Gewässer zurückhält , so vertrocknen sie ; lässt er sie los , so verwüsten sie das Land . ||| 16 Bei ihm ist Macht und Verstand ; ihm gehört , wer irregeht und wer irreführt . ||| 17 Er führt die Ratgeber beraubt hinweg und macht Richter zu Narren . ||| 18 Die Herrschaft der Könige löst er auf und schlingt eine Fessel um ihre Lenden . ||| 19 Er führt die Priester beraubt hinweg und stürzt die Festgegründeten um . ||| 20 Er nimmt den Wohlbewährten die Sprache weg und raubt den Alten die Urteilskraft . ||| 21 Er schüttet Verachtung über die Edlen und löst den Gürtel der Starken . ||| 22 Er enthüllt , was im Finstern verborgen liegt , und zieht den Todesschatten ans Licht . ||| 23 Er macht Völker groß , und er vernichtet sie ; er breitet die Völker weit aus , und er führt sie weg . ||| 24 Den Häuptern des Volkes im Land nimmt er den Verstand und lässt sie irren in pfadloser Wüste ; ||| 25 sie tappen in Finsternis ohne Licht ; er lässt sie taumeln wie Betrunkene . |||

Hiob will sich vor Gott rechtfertigen und verteidigen 

13

Siehe , dies alles hat mein Auge gesehen , mein Ohr hat´s gehört und sich gemerkt ; ||| 2 was ihr wisst , weiß auch ich ; ich stehe nicht hinter euch zurück . 

||| 3 Ich aber will nun zu dem Allmächtigen reden ; mit Gott zu rechten begehre ich . ||| 

4 Ihr hingegen streicht ja nur Lügenpflaster und seid nichts als Quacksalber , ihr alle ! |||

5 O dass ihr doch schweigen könntet ; das würde euch als Weisheit angerechnet ! |||

6 So hört nun meine Rechtfertigung , und achtet auf die Verteidigung meiner Lippen ! ||| 

7 Wollt ihr Gott zuliebe Unrechtes reden und zu seinen Gunsten lügen ? ||| 8 Wollt ihr seine Partei ergreifen oder Gottes Anwalt spielen ? ||| 9 Wäre es gut ( für euch ) , wenn er euch erforschte ? Könnt ihr ihn täuschen , wie man Menschen täuscht ? ||| 10 Nein , strafen wird er euch , wenn ihr im Geheimen die Person anseht ! ||| 11 Wird nicht seine Majestät euch in Furcht versetzen und Schrecken vor ihm euch überfallen ? ||| 12 Eure Denksprüche sind Sprüche aus Asche , und eure Schutzwehren sind Schutzwehren aus Lehm . ||| 

 14 Warum sollte ich mein Fleisch in meine Zähne nehmen und mein Leben in meine Hand legen ? ||| 15 Siehe , er soll mich töten ___ ich will auf ihn warten ; nur will ich meine Wege ihm ins Angesicht verteidigen ! ||| 16 Auch das schon wird mir zur Rettung dienen ; denn kein Gottloser kommt vor sein Angesicht . ||| 17 Hört doch , hört auf meine Rede , und meine Erklärung dringe in eure Ohren ! ||| 18 Gebt acht , ich habe die Verteidigung vorgebracht ; ich weiß , dass ich Recht bekommen werde . ||| 19 Wer ist es , der noch mit mir rechten will ? Denn dann wollte ich verstummen und sterben . ||| 

20 Nur zweierlei tue mir nicht an , dann will ich mich vor deinem Angesicht nicht verbergen : ||| 21 Tue deine Hand von mir und ängstige mich nicht mit deinem Schrecken ! ||| 22 Dann rufe du , und ich will antworten , oder ich will reden , und du erwidere mir ! ||| 23 Wie viele Sünden und Vergehen habe ich ? Lass mich meine Übertretungen und Missetaten wissen ! ||| 24 Warum verbirgst du dein Angesicht und hältst mich für deinen Feind ? ||| 25 Verscheuchst du ein verwehtes Blatt und verfolgst einen dürren Halm ? ||| 26 Denn du verschreibst mir Bitteres und lässt mich erben die Sünden meiner Jugend ; ||| 27 du legst meine Füße in den Stock und lauerst auf alle meine Schritte und zeichnest dir meine Fußspuren auf , ||| 28 da ich doch wie Moder vergehe , wie ein Kleid , das die Motten fressen ! |||

Hiob beschreibt das Elend der Menschen 

14

Der Mensch , von der Frau geboren , lebt ( nur ) kurze Zeit und ist voll Unruhe . ||| 2 Wie eine Blume sprießt er auf und verwelkt ; gleich einem Schatten flieht er und hat keinen Bestand . ||| 3 Ja , über einem solchen hältst du deine Augen auf , und mit mir gehst du ins Gericht ! ||| 4 Wie könnte denn ein Reiner von einem Unreinen kommen ? Nicht ein Einziger ! ||| 5 Wenn doch seine Tage bestimmt sind , die Zahl seiner Monate bei dir ( festgelegt ) ist und du ihm ein Ziel gesetzt hast , das er nicht überschreiten kann , ||| 6 so schaue doch weg von ihm und lass ihn in Ruhe , damit er seinen Tag froh beendet wie ein Tagelöhner ! ||| 7 Denn für einen Baum gibt es Hoffnung : Wird er abgehauen , so sprosst er wieder , und seine Schösslinge bleiben nicht aus . ||| 8 Wenn seine Wurzel in der Erde auch alt wird und sein Stumpf im Staub abstirbt , ||| 9 so sprosst er doch wieder vom Duft des Wassers und treibt Zweige , als wäre er neu gepflanzt . ||| 10 Der Mann aber stirbt und ist dahin ; der Mensch vergeht , und wo ist er ? ||| 11 Wie Wasser zerinnen aus dem See , und wie ein Strom vertrocknet und versiegt , ||| 12 so legt sich auch der Mensch nieder und steht nicht wieder auf ; bis die Himmel nicht mehr sind , regen sie sich nicht und werden nicht aufgeweckt aus ihrem Schlaf . ||| 

13 O dass du mich doch im Totenreich verstecken , dass du mich verbergen würdest , bis dein Zorn sich wendet ; dass du mir eine Frist setztest und dann wieder an mich gedächtest ! ||| 14 Aber wird denn der Mensch , wenn er stirbt , ( wieder ) leben ? Die ganze Zeit meines Frondienstes würde ich harren , bis meine Ablösung käme . ||| 15 Dann würdest du rufen , und ich würde dir antworten ; nach dem Werk deiner Hände würdest du dich sehnen . ||| 16 Nun aber zählst du meine Schritte ; achtest du nicht auf meine Sünde ? ||| 17 Versiegelt ist meine Übertretung in einem Bündel , und meine Schuld hast du verwahrt . ||| 18 Doch stürzen ja auch Berge ein und sinken dahin , und Felsen werden von ihrer Stelle weggerückt ; ||| 19 das Wasser höhlt Steine aus , und die Flut schwemmt den Staub der Erde fort : So machst du auch die Hoffnung des Sterblichen zunichte . ||| 20 Du überwältigst ihn für immer , und er fährt dahin ; du entstellst sein Angesicht und jagst ihn fort . ||| 21 Ob seine Kinder zu Ehren kommen , weiß er nicht , und kommen sie herunter , so merkt er es nicht . ||| 22 Sein Fleisch empfindet nur noch seine eigenen Schmerzen , und seine Seele trauert nur über sich selbst ! |||

Die zweite Rede des Eliphas 

15

Da antwortete Eliphas , der Temaniter , und sprach : ||| 2 Soll ein Weiser mit windigem Wissen antworten und seinen Leib mit Ostwind füllen ? ||| 3 Soll er mit Worten streiten , die nichts taugen , oder mit Reden , durch die er nichts nützt ? ||| 4 Ja , du machst die Gottesfurcht zunichte und schwächst die Andacht vor Gott ! ||| 5 Denn deine Missetat lehrt deinen Mund , und du wählst die Sprache der Listigen . ||| 6 Dein eigener Mund verurteilt dich und nicht ich ; und deine Lippen zeugen gegen dich ! ||| 7 Bist du als erster der Menschen geboren , und bist du vor den Hügeln hervorgebracht worden ? ||| 8 Hast du Gottes Geheimnis belauscht und alle Weisheit an dich gerissen ? ||| 9 Was weißt du , das wir nicht wüssten ? Was verstehst du , das uns nicht bekannt wäre ? ||| 10 Auch unter uns sind ergraute Häupter , auch Greise , reicher an Tagen als dein Vater ! ||| 11 Sind dir Gottes Tröstungen zu gering , und ein Wort , das sanft mit dir verfährt ? ||| 12 Was hat dir die Besinnung geraubt , und wie übermütig wirst du , ||| 13 dass du dein Schnauben gegen Gott kehrst und solche Worte aus deinem Mund ausstößt ? ||| 14 Was ist der Sterbliche , dass er rein sein sollte , und wie kann der von einer Frau Geborene gerecht sein ? ||| 15 Siehe , seinen Heiligen traut Er nicht , die Himmel sind nicht rein in seinen Augen ; ||| 16 wie viel weniger der Abscheuliche und Verdorbene , der Mensch , der Unrecht wie Wasser säuft ? ||| 17 Ich will´s dir mitteilen , höre mir zu ; und was ich gesehen habe , will ich erzählen , ||| 18 was Weise verkündeten und nicht verborgen haben von ihren Vätern her , ||| 19 als ihnen das Land noch allein gehörte und noch kein Fremder in ihrer Mitte umherzog : ||| 20 Der Gottlose quält sich mit Angst sein Leben lang ; nur abgezählte Zeit ist dem Gewalttäter bestimmt ; ||| 21 Schreckensrufe sind in seinen Ohren , mitten im Frieden überfällt ihn der Verderber . ||| 22 Er soll nicht glauben , dass er aus der Finsternis je wiederkehrt ; für das Schwert ist er ausersehen ! ||| 23 Er irrt umher nach Brot : wo ( kann er´s finden ) ? Er weiß , dass der Tag der Finsternis ihm bereitet ist . ||| 24 Not und Bedrängnis überfallen ihn ; sie überwältigen ihn wie ein König , der zum Angriff gerüstet ist . ||| 25 Denn er hat seine Hand gegen Gott ausgestreckt und sich gegen den Allmächtigen aufgelehnt ; ||| 26 er ist hartnäckig gegen ihn angelaufen , unter dem dicken Buckel seiner Schilde ; ||| 27 denn sein Angesicht hat er mit Fett gepolstert , und Speck hat er an seinen Lenden gesetzt . ||| 28 Und er hat seine Wohnung in zerstörten Städten aufgeschlagen , in Häusern , die unbewohnt bleiben sollten , zu Trümmerhaufen bestimmt . ||| 29 Er wird nicht reich , sein Vermögen hat keinen Bestand , und sein Besitz breitet sich nicht aus im Land . ||| 30 Der Finsternis entgeht er nicht , die Flamme versengt seine Sprösslinge ; vor dem Hauch Seines Mundes flieht er dahin . ||| 31 Er verlasse sich nicht auf Betrug , sonst wird er irregeführt ; und Betrug wird seine Vergeltung sein . ||| 32 Ehe sein Tag kommt , so erfüllt sich ( sein Geschick ) ; sein Zweig grünt nicht mehr . ||| 33 Wie ein Weinstock , der seine unreifen Trauben abstößt , und wie ein Ölbaum ( ist er ) , der seine Blüten abwirft . ||| 34 Denn die Rotte der Ruchlosen ist unfruchtbar , und Feuer verzehrt die Zelte der Bestechung . ||| 35 Mit Mühsal gehen sie schwanger und gebären Unheil , und ihr Schoß bereitet ihnen Enttäuschung ! |||

Hiobs Antwort auf Eliphas 

16

Und Hiob antwortete und sprach : ||| 2 Dergleichen habe ich oft gehört ; ihr seid allesamt Tröster ! ||| 3 Haben die geistreichen Worte ein Ende ? Oder was reizte dich , zu antworten ? ||| 4 Auch ich könnte reden wie ihr ! Befände sich nur eure Seele an meiner Stelle ___ da wollte ich Worte gegen euch zusammenreimen und den Kopf schütteln über euch ! ||| 5 Ich wollte euch mit meinem Mund stärken und mit dem Trost meiner Lippen euren Schmerz lindern ! |||

Hiob klagt über sein Geschick 

6 Wenn ich rede , so wird mein Schmerz nicht gelindert , unterlasse ich es aber , was verliere ich ? ||| 7 Doch jetzt hat Er mich erschöpft . Du hast meinen ganzen Hausstand verwüstet ||| 8 und hast mich zusammenschrumpfen lassen ; zum Zeugen ( gegen mich ) ist das geworden ; auch mein Hinsiechen tritt gegen mich auf , es zeugt mir ins Angesicht . ||| 9 Sein Zorn hat mich zerrissen und verfolgt , er knirscht mit den Zähnen gegen mich ; mein Feind blickt mich mit scharfem Auge an . ||| 10 Sie haben ihr Maul gegen mich aufgesperrt , unter Hohnreden schlagen sie mich ins Gesicht ; sie rotten sich gegen mich zusammen . ||| 11 Gott hat mich dem Ungerechten preisgegeben und in die Hände der Gottlosen ausgeliefert . ||| 12 Sorglos war ich , da hat er mich überfallen ; er hat mich beim Nacken ergriffen und zerschmettert und mich als seine Zielscheibe aufgestellt . ||| 13 Seine Geschosse umschwirrten mich , er durchbohrte meine Nieren ohne Erbarmen ; meine Galle schüttete er auf die Erde aus . ||| 14 Er zerbrach mich , ( riss mir ) eine Bresche nach der anderen , lief gegen mich an wie ein Krieger . ||| 15 Ich habe einen Sack um meine Haut genäht und mein Horn in den Staub gesenkt . ||| 16 Mein Angesicht ist gerötet vom Weinen , und Todesschatten liegt auf meinen Lidern ||| 17 ___ obwohl kein Unrecht an meinen Händen klebt und mein Gebet lauter ist ! ||| 18 O Erde , decke mein Blut nicht zu , und mein Geschrei komme nicht zur Ruhe ! ||| 19 Aber auch jetzt noch , siehe , ist mein Zeuge im Himmel und mein Bürge in der Höhe ! ||| 20 Meine Freunde spotten über mich ; aber mein Auge blickt unter Tränen auf zu Gott , ||| 21 dass er dem Mann Recht verschaffe vor Gott und dem Menschenkind vor seinem Nächsten . ||| 22 Denn es kommen nur noch wenige Jahre , und ich gehe den Weg ohne Wiederkehr . ||| 

Hiob schildert seine Leiden 

17 

Mein Geist ist verstört , meine Tage laufen ab ; die Grabstätte wartet auf mich . ||| 2 Treibt man nicht Gespött mit mir , und muss nicht mein Auge ständig ihre Herzensforderungen ansehen ? ||| 

3 Setze doch einen ein , verbürge dich selbst für mich ! Wer sollte sonst ( als Bürge ) in meine Hand einschlagen ? ||| 

4 Denn du hast ihre Herzen der Einsicht verschlossen ; darum wirst du sie nicht triumphieren lassen . ||| 5 Wer Freunde der Plünderung preisgibt , dessen Kindern werden die Augen verschmachten . ||| 6 Man stellt mich den Leuten zum Sprichwort hin , und ich muss sein wie einer , dem man ins Gesicht spuckt . ||| 7 Mein Augenlicht erlischt vor Gram , und alle meine Glieder sind wie ein Schatten . ||| 8 Die Gerechten werden sich darüber entsetzen , und der Unschuldige wird sich über den Ruchlosen empören . ||| 9 Aber der Gerechte wird an seinem Weg festhalten , und wer reine Hände hat , dessen Kraft nimmt zu . |||

 10 Ihr dagegen , kehrt nur alle wieder um und geht ( heim ) , ich finde doch keinen Weisen unter euch ! ||| 11 Meine Tage sind dahin , zerrissen meine Pläne , die Wünsche meines Herzens . ||| 12 Die Nacht machen sie zum Tag ; das Licht sei nahe , nicht die Finsternis ! ||| 13 Dabei erwarte ich doch , dass das Totenreich meine Wohnung wird und ich mein Lager in der Finsternis aufschlagen muss ; ||| 14 dabei muss ich doch zum Grab sagen : Du bist mein Vater ! , zu den Würmern : Ihr seid meine Mutter und meine Schwestern ! ||| 15 Wo ist da noch Hoffnung für mich , und wer wird meine Hoffnung ( verwirklicht ) sehen ? ||| 16 Zu den Pforten des Totenreichs fährt sie hinab , wenn wir einmal alle miteinander im Staub ruhen ! |||

Die zweite Rede des Bildad 

18 

Da antwortete Bildad , der Schuchiter , und sprach : ||| 2 Wie lange wollt ihr noch Jagd auf Worte machen ? Besinnt euch zuerst , und dann wollen wir reden ! ||| 

3 Warum werden wir dem Vieh gleichgeachtet , sind so dumm in euren Augen ? ||| 4 Du , der sich selbst zerfleischt in seinem Zorn : Soll um deinetwillen die Erde veröden und der Fels von seiner Stelle wegrücken ? ||| 5 Jawohl , das Licht des Gottlosen wird erlöschen , und die Flamme seines Feuers nicht mehr leuchten . ||| 6 Das Licht verfinstert sich schon in seinem Zelt , und seine Leuchte erlischt über ihm . ||| 7 Seine kräftigen Schritte werden eingeengt , und sein eigener Ratschlag wird ihn zu Fall bringen . ||| 8 Denn er wird mit seinen eigenen Füßen im Netzt verstrickt und wandelt über Fallgruben dahin . ||| 9 Eine Schlinge wird ihn an der Ferse ergreifen , und ein Fallstrick hält ihn fest . ||| 10 Ein Strick ist für ihn auf dem Boden versteckt und seine Falle auf dem Pfad . ||| 11 Von allen Seiten ängstigen ihn Schrecknisse und hetzen ihn auf Schritt und Tritt . ||| 12 Sein Verderben verlangt hungrig nach ihm , und sein Unglück steht neben ihm bereit . ||| 13 Es verzehrt die Glieder seines Leibes ; der Erstgeborene des Todes zehrt seine Glieder auf . |||14 Er wird vertrieben aus seinem Zelt , seinem Zufluchtsort , und es treibt ihn zu dem König der Schrecken . ||| 15 Sein Zelt wird von einem bewohnt , der ihm nicht zugehört ; auf seine Wohnung wird Schwefel gestreut . ||| 16 Von unten werden seine Wurzeln verdorren , und von oben seine Zweige verwelken . ||| 17 Sein Gedenken verschwindet von der Erde , und sein Name wird auf den Straßen nicht genannt werden . ||| 18 Man stößt ihn aus dem Licht in die Finsternis und verjagt ihn aus der Welt . ||| 19 Kein Spross noch Sprössling bleibt ihm unter seinem Volk und kein Überlebender in seinen Wohnungen . ||| 20 Über seinen Tag entsetzen sich die Abendländer , und die Morgenländer packt der Schauder . ||| 21 So geht es der Wohnung des Ungerechten , und so der Stätte dessen , der Gott nicht kennt ! |||

Hiobs Antwort auf Bildad . Klage über Gottes Züchtigungen 

( * Die Familie - Freunde und Verwandschaft auf dem Weg ) 

19 Und Hiob antwortete und sprach : ||| 2 Wie lange wollt ihr meine Seele plagen und mich mit Worten niederdrücken ? ||| 3 Zehnmal schon habt ihr mich geschmäht ; schämt ihr euch nicht , mich zu misshandeln ? ||| 

4 Habe ich mich aber wahrhaftig verfehlt , so trifft doch meine Verfehlung mich selbst ! |||

 5 Wenn ihr in Wahrheit gegen mich großtun und mit meine Schmach vorwerfen wollt , ||| 6 so erkennt doch , dass Gott mein Recht gebeugt und sein Netz über mich geworfen hat . ||| 7 Siehe , wenn ich schreie "Gewalttat !" , so erhalte ich keine Antwort , und rufe ich um Hilfe , so finde ich kein Recht . ||| 8 Er hat mir den Weg versperrt , sodass ich nicht weiterkomme , und über meine Pfade hat er Finsternis gebreitet . ||| 9 Er hat mich meiner Ehre entkleidet und mir die Krone meines Hauptes weggenommen . ||| 10 Er hat mich gänzlich niedergerissen , so dass ich vergehe , und hat meine Hoffnung entwurzelt wie ein Baum . ||| 11 Sein Zorn ist gegen mich entbrannt , und er sieht mich an wie einen seiner Feinde . ||| 12 Seine Scharen rücken geschlossen an und bahnen sich einen Weg gegen mich und lagern sich um mein Zelt her . ||| 13 Meine Brüder hat er von mir verscheucht , und die mich kennen , sind mir ganz entfremdet . ||| 14 Meine Verwandten bleiben aus , und meine Vertrauten verlassen mich . ||| 15 Meine Hausgenossen und meine Mägde halten mich für einen Fremden ; sie sehen mich als einen Unbekannten an . ||| 16 Rufe ich meinen Knecht , so antwortet er mir nicht ; ich muss ihn anflehen mit meinem Mund . ||| 17 Mein Atem ist meiner Frau zuwider und mein Gestank den Söhnen meiner Mutter . ||| 18 Sogar Buben verachten mich ; stehe ich auf , so reden sie gegen mich . ||| 19 Alle meine Vertrauten verabscheuen mich , und die ich liebte , haben sich gegen mich gewandt . ||| 20 An meiner Haut und meinem Fleisch klebt mein Gebein , und ich habe kaum noch Haut , um meine Zähne zu behalten . ||| 

21 Erbarmt euch , erbarmt euch doch über mich , ihr , meine Freunde , denn die Hand Gottes hat mich getroffen ! ||| 

22 Warum verfolgt ihr mich ebenso wie Gott und werdet nicht satt , mich zu zerfleischen ? |||

Hiobs Glaube : " Ich weiß , dass mein Erlöser lebt !" 

23 O dass doch meine Worte aufgeschrieben , o dass sie doch in ein Buch eingetragen würden , ||| 24 dass sie mit eisernem Griffel und Blei für immer in den Felsen gehauen würden : ||| 25 Ich weiß , dass mein Erlöser lebt , und zuletzt wird er sich über den Staub erheben . ||| 26 Und nachdem diese meine Hülle gebrochen ist , dann werde ich , von meinem Fleischen los , Gott schauen ; ||| 27 ja , ich selbst werde ihn schauen , und meine Augen werden ihn sehen , ohne ( ihm ) fremd zu sein . Danach sehnt sich mein Herz in mir ! ||| 

28 Wenn ihr sprecht  : " Wie wollen wir ihn zur Strecke bringen ?" , und ( meint , ) die Wurzel der Sache in mir zu finden , ||| 29 so fürchtet euch selbst vor dem Schwert ! Denn das Schwert wird die Sünden rächen , damit ihr wisst , dass es ein Gericht gibt ! |||

Die zweite Rede des Zophar 

20 

Da antwortete Zophar , der Naamatiter , und sprach : ||| 2 Darum veranlassen mich meine erregten Gedanken zu einer Antwort , und deswegen drängt es mich ( zu reden ) . ||| 3 Eine Zurechtweisung zu meiner Schande musste ich hören ; aber mein Geist treibt mich zu antworten um meiner Einsicht willen : ||| 4 Hast du dies nicht von alter Zeit her erkannt ? Seitdem der Mensch auf die Erde gesetzt wurde , ||| 5 ist das Frohlocken der Gottlosen kurz , und die Freude der Frevler währt nur einen Augenblick . ||| 6 Wenn auch sein Stolz bis zum Himmel reichte und sein Haupt die Wolken berührte , ||| 7 so geht er doch , gleich seinem Kot , auf ewig unter ; die ihn gesehen haben , werden sagen : Wo ist er ? ||| 8 Wie ein Traum verfliegt er , man wird ihn nicht mehr finden ; er wird weggescheucht wie ein Nachtgesicht . ||| 9 Das Auge , das ihn sah , sieht ihn nicht wieder , und erblickt ihn nicht mehr an seinem Ort . ||| 10 Seine Söhne müssen die Armen entschädigen , und seine Hände sein Vermögen wieder herausgeben . ||| 11 Seine Gebeine waren voller Jugendkraft : Die liebt nun mit ihm im Staub . ||| 12 Ist das Böse noch so süß in seinem Mund , dass er es unter seiner Zunge birgt , ||| 13 dass er es hebt und nicht lassen kann und an seinem Gaumen festhält : ||| 14 so verwandelt sich doch seine Speise in seinen Eingeweiden , wird zu Schlangengift in seinem Inneren . ||| 15 Den Reichtum , der er verschlungen hat , muss er wieder von sich geben ; Gott treibt es ihm aus seinem Bauch heraus . ||| 16 Schlangengift hat er gesaugt : Darum wird ihn die Zunge der Otter töten . ||| 17 Er wird seine Lust nicht sehen an den Bächen , an den Strömen von Honig und von Milch . ||| 18 Den Gewinn muss er zurückgeben , und er kann ihn nicht verschlingen ; an dem Reichtum , den er erwarb , wird er nicht froh ; ||| 19 denn er hat Arme misshandelt und sie liegen lassen , hat ein Haus beraubt anstatt gebaut . ||| 20 Sein Bauch kannte keine Ruhe ; vor seiner Begehrlichkeit blieb nichts verschont . ||| 21 Nichts entging seiner Fressgier , darum wird auch sein Gut nicht Bestand haben . ||| 22 Mitten in seinem Überfluss wird er in Not geraten ; alle Hände der Unglücklichen kommen über ihn . ||| 23 Es wird geschehen , während er seinen Bauch noch füllt , wir Er die Glut Seines Zornes über ihn senden und sie auf ihn regnen lassen , in seine Eingeweide hinein . ||| 24 Flieht er vor eisernen Waffen , so wird ihn der eherne Bogen durchbohren . ||| 25 Er zieht ( an dem Pfeil ) , und er kommt aus dem Rücken hervor ; blitzend fährt er aus seiner Galle , Todesschrecken kommen über ihn . ||| 26 Alle Finsternis ist aufgespart für seine Schätze ; ihn wird ein Feuer verzehren , das nicht angefacht wird ; übel wird es dem ergehen , der in seinem Zelt übrig geblieben ist . ||| 27 Der Himmel wird seine Schuld offenbaren und die Erde sich gegen ihn empören . ||| 28 Der Ertrag seines Hauses fährt dahin , muss zerrinnen am Tag des Zornes . |||

 29 Das ist das Teil des gottlosen Menschen von Gott , das Erbe , das Gott ihm zugesprochen hat ! |||

Hiobs Antwort : 
Das Wohlergehen der Gottlosen 

21 

Darauf antwortete Hiob und sprach : ||| 2 Hört , o hört doch an , was ich zu sagen habe ; das soll der Trost sein , den ihr mir gewährt ! ||| 3 Erlaubt mir , dass ich rede ; und nachdem ich gesprochen habe , magst du spotten ! ||| 4 Richte ich etwa meine Klage an einen Menschen ? Und warum sollte ich nicht ungeduldig sein ? ||| 5 Wendet euch zu mir und staunt , und legt die Hand auf den Mund ! |||

 6 Ja , wenn ich daran denke , so erschrecke ich , und Zittern erfasst meinen Leib . |||

 7 Warum leben denn die Gottlosen , werden alt , groß und stark ? ||| 8 Ihr Same gedeiht vor ihrem Angesicht um sie her , und ihre Sprösslinge sind vor ihren Augen . ||| 9 Ihre Häuser haben Frieden , keine Furcht ; die Rute Gottes schlägt sie nicht . ||| 10 Sein Stier bespringt , und nicht umsonst , seine Kuh kalbt ohne Fehlgeburt . ||| 11 Ihre Jungen lassen sie ausziehen wie eine Schafherde , und ihre Kinder hüpfen herum . ||| 12 Sie singen laut zur Pauke und Laute und sind fröhlich beim Klang der Schalmei . ||| 13 Sie verbringen ihre Tage in Wohlleben und fahren in einem Augenblick in das Totenreich hinab . ||| 

14 Und doch sprechen sie zu Gott : "Weiche von uns ; nach der Erkenntnis deiner Wege fragen wir nicht ! ||| 15 Was ist schon der Allmächtige , dass wir ihm dienen sollten , und was nützt es uns , ihn anzurufen ?" |||

 16 ___ Doch siehe , ihr Glück liegt nicht in ihrer Hand ; ( darum ) sei der Rat der Gottlosen fern von mir ! ___ ||| 

17 Wie oft erlischt die Leuchte der Gottlosen und ereilt sie ihr Unglück , teilt Er ihnen Verderben zu in seinem Zorn , ||| 18 werden sie wie Stroh vor dem Wind und wie Spreu , die der Sturm entführt ? ||| 19 Spart Gott das Unglück ( des Gottlosen ) für seine Kinder auf ? ___ Ihm selbst sollte er vergelten , sodass er es weiß ! ||| 20 Seine eigenen Augen sollen sein Verderben sehen , und den Zorn des Allmächtigen soll er selbst trinken ! ||| 21 Denn was liegt ihm an seinem Haus nach seinem Tod , wenn die Zahl seiner Monate abgerissen ist ? ||| 22 Kann man Gott Erkenntnis lehren , da er es doch ist , der die Hohen richtet ? ||| 23 Der eine stirbt im Vollbesitz seiner Kraft , vollkommen ruhig und sorglos ; ||| 24 seine Tröge fließen über von Milch , und das Mark seiner Gebeine ist getränkt . ||| 25 Der andere aber stirbt mit betrübter Seele und hat nie Gutes geschmeckt : ||| 

26 Gemeinsam liegen sie im Staub , und Gewürm bedeckt sie beide . |||

 27 Seht , ich kenne eure Überlegungen und die listigen Pläne , mit denen ihr mir Unrecht tun wollt ! ||| 28 Denn ihr denkt : " Wo ist das Haus des Fürsten ? Und wo ist das Zelt , in dem die Gottlosen wohnten ? " ||| 29 So habt ihr nicht die befragt , die auf dem Weg vorüberzogen ? Und habt ihr ihre Hinweise nicht beachtet , ||| 30 dass der Böse verschont wird am Tage des Unglücks und dem Tag des Zorns entgeht ? ||| 31 Wer kann ihm ins Gesicht seinen Wandel vorhalten , und sein Tun , wer vergilt es ihm ? ||| 32 Doch er wird (  feierlich ) zu Grabe getragen , und über seinem Grabhügel hält man eine Wache . ||| 33 Angenehm sind ihm die Schollen des Tales : hinter ihm her zieht jedermann , und vor ihm her eine unzählbare Schar . ||| 

34 Was tröstet ihr mich da mit Nichtigkeiten ? Eure Antworten sind nichts als Trug ! |||

Die dritte Rede des Eliphas 

22

Darauf antwortete Eliphas , der Temaniter , und sprach : ||| 2 Kann ein Mann Gott etwas nützen ? Es nützt ja der Verständige nur sich selbst . ||| 3 Hat der Allmächtige Freude , wenn du gerecht bist ? Ist´s ihm ein Gewinn , wenn du in Unschuld wandelst ? ||| 4 Straft er dich etwa wegen deiner Gottesfurcht , und geht er deshalb mit dir ins Gericht ? ||| 5 Sind nicht deine Missetaten groß und deine Schulden ohne Ende ? ||| 6 Du hast deine Brüder grundlos gepfändet und den Entblößten die Kleider ausgezogen ; ||| 7 du hast dem Ermatteten kein Wasser zu trinken gegeben und dem Hungrigen das Brot verweigert . ||| 8 Dem Gewalttätigen gehört ja das Land , und der Angesehene wohnt darin . ||| 9 Du hast Witwen leer fortgeschickt , und die Arme der Waisen wurden zerbrochen . ||| 10 Deshalb waren rings um dich her Fallen , sodass dich plötzlich Schrecken überfiel . ||| 11 Oder siehst du die Finsternis nicht und die Wasserflut , die dich bedeckt ? ||| 12 Ist Gott nicht so hoch wie die Himmel ? Sieh doch die höchsten Sterne , wie hoch sie stehen ! ||| 13 Und du denkst : " Was weiß Gott ! Sollte er durch das Wolkendunkel hindurch richten ? ||| 14 Die Wolken sind eine Hülle für ihn , sodass er nicht sehen kann , und er wandelt auf dem Himmelsgewölbe umher !" ||| 15 Willst du den Weg der Vorzeit befolgen , den Pfad , auf dem die Frevler einhergingen , ||| 16 die vor ihrer Zeit weggerafft wurden , deren Fundament der Strom wegriss , ||| 17 die zu Gott sprachen : " Weiche von uns !" , und : " Was kann der Allmächtige einem schon tun ?" ||| 18 Und er hatte doch ihre Häuser mit Gütern gefüllt ! ___ Doch der Rat der Gottlosen sei fern von mir ! ||| 19 Als die Gerechten es sahen , freuten sie sich , und der Unschuldige spottete über sie : ||| 20 " Fürwahr , unsere Widersacher sind vertilgt , und das Feuer hat ihren Überrest verzehrt !" ||| 21 Versöhne dich doch mit Ihm und mache Frieden ! Dadurch wird Gutes über dich kommen . ||| 22 Nimm doch Belehrung an aus seinem Mund und lege seine Worte in dein Herz ! ||| 23 Wenn du zu dem Allmächtigen umkehrst , so wirst du aufgerichtet werden , wenn du die Ungerechtigketi aus deinem Zelt entfernst . ||| 24 Wirf das Gold in den Staub und das Ophirgold zu den Steinen der Bäche , ||| 25 so wird der Allmächtige dein Gold und dein erlesenes Silber sein ! ||| 26 Dann wirst du dich an dem Allmächtigen erfreuen und dein Angesicht zu Gott erheben ; ||| 27 du wirst zu ihm felehen , und er wird dich erhören , und du wirst deine Gelübde erfüllen . ||| 28 Was du dir vornimmst , das wird gelingen , und ein Licht wird auf deinen Wegen leuchten . ||| 29 Wenn sie abwärts führen , so wirst du sagen : " Es geht empor !" , und wer die Augen niederschlägt , den wird er retten . ||| 30 Er wird ( selbst ) den freilassen , der nicht unschuldig ist : Durch die Reinheit deiner Hände wird er befreit werden . |||

Hiobs Antwort auf Eliphas : Er will seine Rechtssache vor Gott bringen 

23

Da antwortete Hiob und sprach : ||| 2 Auch heute noch ist meine Klage bitter ; die Hand , die mich trifft , presst mir schwere Seufzer aus ! ||| 3 O dass ich wüsste , wo ich ihn fände , dass ich bis zu seinem Thron gelangen könnte ! ||| 4 Ich würde ihm ( meine ) Rechtssache vorlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen . ||| 5  Ich möchte wissen , was er mir antworten , und erfahren , was er zu mir sagen würde . ||| 6 Würde er in seiner Machtfülle mit mir streiten ? Nein , er würde mich gewiss anhören . ||| 7 Da würde ein Redlicher bei ihm vorsprechen , und ich würde auf ewig frei ausgehen von meinem Richter . ||| 8 Wenn ich aber nach Osten gehe , so ist er nirgends ; wende ich mich nach Westen , so bemerke ich ihn nicht ; ||| 9 wirkst er im Norden , so erblicke ich ihn nicht ; verbirgt er sich im Süden , so kann ich ihn nicht sehen . ||| 10 Ja , er kennt meinen Weg ; wenn er mich prüft , so werde ich wie Gold hervorgehen ! ||| 11 Mein Fuß ist seinen Tritten gefolgt ; seinen Weg habe ich bewahrt und bin nicht davon abgewichen ; ||| 12 vom Gebot seiner Lippen habe ich mich nicht entfernt ; die Worte seines Mundes bewahrte ich mehr als meine Grundsätze . ||| 13 Doch Er bleibt sich gleich , und wer will ihm wehren ? Was er will , das tut er . ||| 14 Ja , Er wird vollenden , was mir bestimmt ist , und dergleichen hat er ( noch ) vieles im Sinn . ||| 15 Darum schrecke ich zurück vor seinem Angesicht , und wenn ich daran denke , so fürchte ich mich vor ihm . ||| 16 Ja , Gott hat mein Herz verzagt gemacht , und der Allmächtige hat mich erschreckt . ||| 17 Damit ich ( aber ) nicht vergehe vor dem Anblick der Finsternis , hat er vor meinem Angesicht das Dunkel verdeckt . |||

Hiob klagt , dass Gott das Treiben der Bösen gewähren lasse 

24

Warum sind vom Allmächtigen nicht Zeiten ( des Gerichts ) aufgewahrt , und warum sehen die , welche ihn kennen , seine Tage nicht ? ||| 2 Man verrückt die Grenzen ; sie rauben die Herde und weiden sie . ||| 3 Den Esel der Waisen treibt man fort und pfändet die Kuh der Witwe . ||| 4 Man jagt die Armen aus dem Weg , und die Elenden im Land müssen sich allesamt verbergen . ||| 5 Siehe , wie Wildesel in der Wüste ziehen sie zu ihrem Tagewerk aus , auf der Suche nach Nahrung ; die Wildnis bietet ihnen Speise für die Kinder . ||| 6 Sie ernten das Futter auf dem Feld und halten Nachlese im Weinberg der Gottlosen . ||| 7 Entblößt bringen sie die Nächte zu ; sie haben kein Gewand , und wenn es kalt wird , keine Decke . ||| 8 Vom Regen der Berge werden sie durchnässt , und weil sie keine Zuflucht haben , klammern sie sich an den Felsen . ||| 9 Man reißt das Waisenkind von der Brust , und was der Arme anhat , nimmt man als Pfand . ||| 10 Entblößt gehen sie umher , ohne Gewand ; sie müssen Garben tragen und hungern dabei . ||| 11 Innerhalb der Mauern ( der Reichen ) pressen sie Öl ; sie treten die Kelter und müssen doch Durst leiden . ||| 12 Von der Stadt her ächzen Sterbende , und die Seele der Erschlagenen schreit ;

  aber Gott achtet nicht auf das Unrecht . ||| 

13 Jene hassen das Licht , sie wollen seine Wege nicht kennen und bleiben nicht auf seinen Pfaden . ||| 14 Bei Tagesanbruch steht der Mörder auf , um den Elenden und Armen umzubringen ; in der Nacht aber ist er wie ein Dieb . ||| 15 Das Auge des Ehebrechers wartet auf die Dämmerung ; er spricht : " Kein Auge soll mich sehen !" , und verhüllt sein Angesicht . ||| 16 In der Finsternis bricht man in die Häuser ein ; bei Tag halten sie sich eingeschlossen ; sie scheuen das Licht . ||| 17 Denn für sie alle ist der Morgen gleich wie Todesschatten ; denn sie sich vertraut mit dem Schrecken des Todesschattens . ||| 18 Schnell treibt er auf der Oberfläche des Wassers dahin . Verflucht ist sein Erbteil auf Erden ; sein Weg führt nicht durch Weingärten . ||| 

 19 Wie Hitze und Sonnenglut die Schneewasser wegraffen , so das Totenreich die , welche gesündigt haben . ||| 20 Der Mutterschoß wird ihn vergessen , Würmer laben sich an ihm ; nie mehr wird an ihn gedacht , und wie ein Baum wird ( sein ) Übermut gebrochen , ||| 21 der die Unfruchtbare beraubte , die nicht gebar , und der Witwe nicht Gutes tat . ||| 22 Und Mächtige rafft er dahin durch seine Kraft ; steht er auf , so ist man seines Lebens nicht mehr sicher . ||| 23 Er gibt ihm Sicherheit , und jener verlässt sich darauf ; und seine Augen ( wachen ) über ihre Wege . ||| 24 Sie kommen hoch ; aber wenig braucht´s , so sind sie dahin ; sie sinken hin und werden zusammengerafft , wie alle anderen auch , und die Ährenspitze werden sie abgeschnitten . ||| 

25 Oder ist´s nicht so ? Wer will mich Lügen strafen und meine Rede zunichtemachen ? 

Die dritte Rede des Bildad 

25

Da antwortete Bildad , der Schuchiter , und sprach : 2 Herrschaft und Schrecken sind bei Ihm ; Frieden schafft Er in seinen Höhen . ||| 3 Sind seine Scharen zu zählen ? Und über wem erhebt sich nicht sein Licht ? ||| 4 Wie kann aber der Sterbliche gerecht sein vor Gott , und wie will der rein sein , der von der Frau geboren ist ? ||| 5 Siehe , sogar der Mond leuchtet nicht hell , und die Sterne sind nicht rein in seinen Augen ||| 6 ___ wie viel weniger der Sterbliche , die Made und das Menschenkind , der Wurm ! |||

Letzte Erwiderung Hiobs an seine drei Freunde 

26 

Und Hiob antwortete und sprach : ||| 2 Wie hast du den beraten , dem Weisheit fehlt , und Einsicht in Fülle mitgeteilt ! ||| 4 Wen hast du mit deinen Worten getroffen , und wessen Odem ist aus dir hervorgegangen ? ||| 5 Die Schatten werden von Zittern erfasst unter den Wassern und ihren Bewohnern . ||| 6 Das Totenreich liegt enthüllt vor Ihm , und der Abgrund hat keine Decke . ||| 7 Er spannt den Norden aus über der Leere und hängt die Erde über dem Nichts auf . ||| 8 Er bindet die Wasser in seinen Wolken zusammen , und das Gewölk zerreißt nicht unter ihrem Gewicht . ||| 9 Er verschließt den Anblick des Thrones , er breitet sein Gewölk darüber . ||| 10 Er hat einen Kreis abgesteckt auf der Oberfläche der Wasser bis zur Grenze von Licht und Finsternis . ||| 11 Die Säulen des Himmels erheben und erschrecken vor seinem Schelten . ||| 12 Durch seine Kraft erregt er das Meer , und mit seinem Verstand zerschlägt er das Ungeheuer . ||| 13 Durch seinen Hauch wird der Himmel klar ; mit seiner Hand durchbohrt er die flüchtige Schlange . ||| 14 Siehe , das sind die Umrisse seiner Wege ; wie leise ist das Wort , das wir davon vernehmen ! Aber der Donner seiner Macht ___ wer versteht ihn ? |||

Hiob hält an seiner Unschuld fest 

27 

Und Hiob setzte seine Rede fort und sprach : ||| 2 So wahr Gott lebt , der mir mein Recht entzogen , und der Allmächtige , der meine Seele verbittert hat : ||| 3 Ja , solange noch mein Odem in mir ist und der Hauch Gottes in meiner Nase , ||| 4 sollen meine Lippen nichts Verkehrtes reden und meine Zunge keine Lüge aussprechen ! ||| 5 Fern sei es von mir , dass ich euch recht gebe ; ich werde mir meine Unschuld nicht nehmen lassen bis an mein Ende ! ||| 6 Ich halte an meiner Gerechtigkeit fest und werde sie nicht loslassen ; mein Gewissen straft mich über keinen meiner Tage ! ||| 7 Meinen Feind aber ergehe es wie dem Gottlosen , und meinem Widersacher wie dem Übeltäter ! ||| 8 Denn was für eine Hoffnung hat der Frevler , wenn Gott ( ihn ) abschneidet , wenn Er ihm seine Seele entzieht ? ||| 9 Wird Gott sein Geschrei erhören , wenn Not über ihn kommt ? ||| 10 Wird er an dem Allmächtigen seine Lust haben , wird er Gott anrufen zu jeder Zeit ? ||| 11 Ich will euch über die Hand Gottes belehren und euch nicht verhehlen , was bei dem Allmächtigen gilt . ||| 12 Siehe , ihr selbst habt es alle gesehen ___ warum schwatzt ihr dann nichtiges Zeug ? ||| 13 Das ist der Teil des gottlosen Menschen von Gott , und dies ist das Erbe , das die Gewalttätigen empfangen von dem Allmächtigen . ||| 14 Wenn seine Kinder sich mehren , so ist´s für das Schwert , und seine Sprösslinge können sich nicht am Brot sättigen . ||| 15 Die ihm noch übrig bleiben , sinken durch die Pest ins Grab , und ihre Witwen beweinen sie nicht . ||| 16 Wenn er auch Geld zusammenscharrt wie Staub und Kleider aufhäuft wie Straßendreck ||| 17 ___ er bringt sie zwar zusammen , aber der Gerechte wird sie anziehen , und das Geld wird der Unschuldige erben . ||| 18 Er baut sein Haus wie die Motte , und wie die Laubhütte , die sich der Wächter macht . ||| 19 Reich legt er sich hin , und noch ist ihm nichts weggenommen ; er schlägt die Augen auf , und nichts ist mehr da ! ||| 20 Schrecken ergreift ihn wie eine Wasserflut , der Sturmwind führt ihn über Nacht davon . ||| 21 Ein Ostwind hebt ihn empor , und er fährt dahin ; er rafft ihn von seiner Stätte hinweg . ||| 22 Schonungslos schleudert Er ( Geschosse ) nach ihm , eiligst muss er fliehen vor seiner Hand . ||| 23 Man klatscht über ihn in die Hände und zischt ihn aus von seinem Wohnort her . |||


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